Deutschland plant, bis Ende November digitale Führerscheine einzuführen. Das teilte das Bundesverkehrsministerium der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit. Fahrer, die das digitale Dokument auf ihren Smartphones speichern, müssen die Plastikkarte bei Fahrten innerhalb Deutschlands dann nicht mehr mitführen. Das Ministerium hat noch keinen konkreten Einführungstermin bekannt gegeben.
Der Führerschein soll in der i-Kfz-App gespeichert werden, die vom Kraftfahrt-Bundesamt und der Bundesdruckerei entwickelt wurde. Die App ist bereits kostenlos für Android und iOS verfügbar. Um derzeit eine Zulassungsbescheinigung für ein Fahrzeug hinzuzufügen, sind eine aktivierte Online-Ausweisfunktion, eine PIN und ein NFC-fähiges Smartphone erforderlich. Nach Angaben der Behörde war die App bis August 2026 auf mehr als zwei Millionen Smartphones installiert.
Nutzer können ihre Zulassungsbescheinigungen bereits in der App speichern und bei Verkehrskontrollen vorzeigen. Der Führerschein wird als zweites wichtiges Fahrzeugdokument digital verfügbar sein. Zudem soll er Abläufe rund um Mietwagen und Carsharing erleichtern. Die digitale Version wird die Plastikkarte jedoch ergänzen und nicht ersetzen; für Fahrten ins Ausland wird die Karte weiterhin benötigt.
Die Gewerkschaft der Polizei hat die Digitalisierung von Fahrzeug- und Führerscheindokumenten unterstützt und dabei auf das Potenzial verwiesen, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und alltägliche Aufgaben zu erleichtern. Zugleich hat sie Bedenken hinsichtlich der Einsatzbereitschaft der Polizei geäußert. In Äußerungen Ende 2025 sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Michael Mertens, es gebe keine bundesweiten Schulungsprogramme zur Überprüfung digitaler Dokumente oder zu ihrer rechtssicheren Erfassung. Er sagte außerdem, Kontrollen würden einen Echtzeitzugriff auf amtliche Datenbanken erfordern. Aus den verfügbaren Informationen geht nicht hervor, ob diese Lücken inzwischen behoben wurden.
Fahrer, die den digitalen Führerschein nutzen möchten, können sich vorbereiten, indem sie die App herunterladen und die Online-Identifizierung abschließen. Nach Angaben des Ministeriums soll der Führerschein Anfang 2027 auch in die deutsche EUDI-Wallet aufgenommen werden. Eine europaweite Einführung ist ebenfalls geplant, könnte aber bis 2030 dauern.
Quellen: t3n.