Kühlschränke und Gefriergeräte in Supermärkten in sieben europäischen Ländern fielen Berichten zufolge aus, nachdem ihre Thermostate aus der Ferne verstellt worden waren – in manchen Fällen auf Temperaturen von bis zu 50 °C. Die Europäische Union verurteilte die Vorfälle und bezeichnete sie als Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Verbraucher zu untergraben. Bislang hat sich keine Gruppe zu den Vorfällen bekannt.

Die jüngsten gemeldeten Vorfälle ereigneten sich am Montag und betrafen Geschäfte in mehreren Ländern, darunter Portugal. Sie folgten auf einen Vorfall in Frankreich am 12. Oktober, bei dem Hacker Berichten zufolge die Kontrolle über eine Kühlanlagen-Managementsoftware übernahmen, die von mehreren Supermarktketten genutzt wird. Die Einzelhändler mussten große Mengen an Lebensmitteln entsorgen.

Die Software zur Steuerung gewerblicher Kühlsysteme ist mit dem Internet verbunden und kann lange Zeit ungepatcht bleiben. Anders als Computer und Smartphones fordern diese Systeme ihre Nutzer möglicherweise nicht regelmäßig dazu auf, Sicherheitsupdates zu installieren. Nick Jackson, Bitdefenders Director of Cyber Operations, sagte, dass die Installation von Patches erfordern könne, die Anlagen außer Betrieb zu nehmen, was für Lebensmittelhändler Schwierigkeiten verursache. Auch mangelndes Bewusstsein oder eine geringe Priorisierung könnten dazu führen, dass die Systeme ungeschützt blieben.

Der schwedische Einzelhändler Coop erklärte, einige seiner Kühlanlagen seien über ein 4G-Mobilfunknetz verbunden gewesen, wodurch sie stärker gefährdet gewesen seien. ICA sagte, sein System werde vom dänischen Unternehmen Danfoss bereitgestellt, bei dem es ebenfalls in Frankreich zu Problemen gekommen war.

Rafe Pilling, Sophos’ Senior Director of Threat Intelligence, nannte zwei plausible Erklärungen: eine staatlich unterstützte Operation, die dazu dienen sollte, die eigenen Fähigkeiten zu demonstrieren, oder einen einzelnen Hacker, der aus persönlichen Gründen handelte. Im Ausgangsartikel heißt es, eine staatlich verknüpfte Operation erscheine wahrscheinlicher; Belege, die die Verantwortlichen identifizieren, wurden jedoch nicht veröffentlicht. Die Einfachheit der gemeldeten Methode, bei der Einstellungen ohne den Einsatz von Schadsoftware oder einer technischen Spur geändert wurden, könnte eine Zuordnung erschweren.

Ein ähnlicher mutmaßlicher Vorfall wurde Anfang August in den Vereinigten Staaten gemeldet, als Ausfälle von Kühlgeräten Supermärkte auf mindestens sechs Militärstützpunkten betrafen. Das Pentagon untersucht den Vorfall als möglichen Cyberangriff.

Die Kühlsoftware auf dem neuesten Stand zu halten, ist eine Möglichkeit, wie Einzelhändler das Risiko verringern können. Die belgische Kühltechnikgruppe Sabcobel erklärte, die Auswirkungen des Vorfalls vom Montag wären schwerwiegender gewesen, wenn sie nicht nach dem Angriff in Frankreich im Oktober mit der Installation von Patches begonnen hätte.

Quellen: Pplware.