Anthropic meldete in einem Wochen vor dem geplanten Börsengang veröffentlichten Dokument einen Umsatz von 17 Milliarden Dollar im dritten Quartal, gegenüber 1,4 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Das Unternehmen hinter Claude ist das erste große KI-Labor, das einen Börsengang anstrebt, während Anleger infrage stellen, ob sich die hohen Infrastrukturinvestitionen des Sektors auszahlen werden.

Das Umsatzwachstum verlangsamte sich im Quartal auf 47 %, gegenüber 144 % im Vorquartal. Gleichzeitig entfielen 58 % des Umsatzes auf Rechenkosten, verglichen mit 48 % im Vorquartal. Anthropic verzeichnete einen operativen Verlust von 567 Millionen Dollar, nachdem zuvor ein operativer Gewinn von 974 Millionen Dollar gemeldet worden war.

Das Unternehmen verbuchte einen Nettoverlust von 23,3 Milliarden Dollar, der größtenteils auf eine buchhalterische Belastung im Zusammenhang mit seinen Wandelanleihen zurückzuführen war. Anthropic verwies außerdem auf eine nicht zahlungswirksame Belastung von 2 Milliarden Dollar für sein Spendenprogramm für Mitarbeiter sowie auf die höheren Kosten für den kurzfristigen Erwerb von Rechenkapazität.

Anthropic reserviert üblicherweise den größten Teil seiner Rechenkapazität 12 bis 18 Monate im Voraus. Die Nachfrage übertraf die Prognosen des Unternehmens, weshalb es zusätzlich Kapazität im Wert von 5 Milliarden Dollar zu kurzfristigen Konditionen kaufte. Das Unternehmen hat weiterhin neue Vereinbarungen abgeschlossen: Die im Oktober hinzugekommenen Verpflichtungen beliefen sich auf rund 100 Milliarden Dollar.

In den Unterlagen sind Ausgabenverpflichtungen von etwa 895,4 Milliarden Dollar aufgeführt, größtenteils für Rechenleistung und Infrastruktur. Für rund 213,8 Milliarden Dollar gelten Bedingungen oder Kündigungsrechte, während etwa 69,8 Milliarden Dollar in den kommenden 12 Monaten fällig werden. Ende September verfügte Anthropic über rund 132 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen.

Die Verpflichtungen bergen Risiken in beide Richtungen: Zu wenig Kapazität könnte Anthropic dazu zwingen, mehr zu bezahlen und die Margen zu belasten, während zu viel Kapazität langfristige Verträge hinterlassen könnte, die sich nicht mit Kundennachfrage auslasten lassen. In den Unterlagen werden Broadcom, Google, SpaceX und Amazon als einige der größten Zahlungsempfänger genannt. Google und Amazon haben zudem in Anthropic investiert.

Im Prospekt sind noch keine Preisspanne und keine Anzahl der angebotenen Aktien angegeben. Bloomberg berichtete, dass die Investoren-Roadshow in der Woche vom 9. November beginnen könnte und der Börsengang vor dem 26. November stattfinden könnte. Einige Anleger haben Anthropic mit rund 1,5 Billionen Dollar bewertet, gegenüber 2 Billionen Dollar noch vor Kurzem; der endgültige Angebotspreis wird auch anderen Unternehmen im KI-Sektor als Richtwert dienen.

Quellen: Xataka.