Hunde, die in der Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl leben, haben ein besonderes genetisches Profil, und eine neue Studie legt nahe, dass natürliche Selektion erklären könnte, wie es entstanden ist. Die Ergebnisse belegen weder, wodurch die Veränderungen verursacht wurden, noch ob die genetischen Varianten den Hunden einen bestimmten Vorteil verschaffen.

Die in der Fachzeitschrift Genes veröffentlichte Studie verglich DNA von Hunden, die in der Nähe des Kraftwerks leben, mit Proben von Hunden aus der Stadt Tschernobyl, etwa 16 Kilometer entfernt, sowie mit Proben anderer Hundepopulationen weltweit. Den Stadthunden waren Hunde auf den Galápagosinseln genetisch ähnlicher als die Hunde, die am Kraftwerk leben, so Megan Dillon, Erstautorin der Studie und Postdoktorandin an der North Carolina State University.

Die Forschenden stellten fest, dass zufällige genetische Veränderungen allein die Unterschiede zwischen den beiden lokalen Populationen nicht erklären konnten. Ihre Analyse deutete stattdessen auf natürliche Selektion bei den Hunden in der Nähe des Kraftwerks hin. Einige Genomregionen, die deutliche Anzeichen für Selektion zeigten, standen mit DNA-Reparatur, Immunität und dem Überleben von Zellen in Verbindung.

Die Studie legt nicht nahe, dass Strahlung zwangsläufig neue Mutationen hervorgebracht hat. Den Forschenden zufolge könnten die Varianten bereits in der genetischen Vielfalt der Hunde vorhanden gewesen und mit der Zeit häufiger geworden sein. Dillon sagte, die Population, die sich in der Nähe des Kraftwerks angesiedelt habe, könnte genetische Merkmale besessen haben, die ihr halfen, schwierige Bedingungen zu überstehen.

Was die Selektion dieser Varianten bewirkte, ist weiterhin unklar. Strahlung ist eine mögliche Belastung, doch die Hunde waren auch strengen Wintern und anderen Schadstoffen ausgesetzt, darunter Schwermetallen und Pestiziden. Dillon sagte, diese Faktoren könnten sich biologisch ähnlich auswirken, sodass es schwierig sei, eine einzelne Ursache zu isolieren. Den Forschenden fehlen außerdem Proben aus verschiedenen Zeitpunkten, anhand derer sich nachvollziehen ließe, wie sich die Genetik der Population nach der Katastrophe von 1986 verändert hat.

Die Hunde stammen von Haustieren ab, die während der Evakuierungen zurückgelassen wurden. Knapp vier Jahrzehnte nach dem Unfall ist die Sperrzone auch zu einem Zufluchtsort für Wildtiere geworden; in der Gegend leben Wölfe, Hirsche, Wildschweine und Luchse. Forschende haben bei einigen dieser Tiere, darunter Wölfen, genetische Besonderheiten festgestellt. Die Studie belegt jedoch nicht, dass dieselben Belastungen die Entwicklung jeder Population geprägt haben.

Quellen: WIRED.