Frauen mit hohen kognitiven Fähigkeiten könnten bei der Arbeit größere Nachteile erleben als ähnlich leistungsfähige Männer, wie ein internationales Forschungsteam berichtet. Die Studie ergab, dass sie weniger Unterstützung erhielten und von Kollegen mehr Feindseligkeit erfuhren. Bei Männern war eine höhere kognitive Leistungsfähigkeit nicht mit vergleichbaren Nachteilen verbunden. Die Ergebnisse wurden im Journal of Applied Psychology veröffentlicht.

An der Untersuchung nahmen 826 Personen aus 140 Teams teil. Sie befasste sich nicht mit Beförderungen, Gehältern oder langfristigen beruflichen Ergebnissen, sondern konzentrierte sich auf die informellen Beziehungen am Arbeitsplatz, die den beruflichen Erfolg beeinflussen können. Zu diesen Interaktionen gehört, wer von Kollegen Hilfe, Informationen und Ermutigung erhält.

Die Ergebnisse spiegeln ein umfassenderes Muster wider, das durch formale Systeme am Arbeitsplatz nur schwer erfasst werden kann. Sara Winslow, die zwei Jahrzehnte im Vertrieb tätig war, berichtete gegenüber Fast Company, dass sie von männlichen Kollegen zunehmend feindselige Kommentare erhalten habe, nachdem sie eine interne Auszeichnung für herausragende Leistungen bekommen hatte. Außerdem schilderte sie Versuche, ihre Fachkenntnisse in Besprechungen zu untergraben. Einer dieser Kollegen wurde später ihr Vorgesetzter und wies ihr das kleinste Verkaufsgebiet des Landes zu, wie sie berichtet.

Nitya Chawla, Professorin an der UCL School of Management und leitende Forscherin der Studie, sagte, es bestehe ein Unterschied zwischen der Anerkennung einer Person als potenzielle Führungskraft und dem Wunsch, mit dieser Person zu arbeiten, sie zu unterstützen oder ihren Erfolg zu sehen. Ihrer Ansicht nach könnten Unternehmen informelle Formen der Benachteiligung übersehen, die die beruflichen Laufbahnen von Beschäftigten prägen.

Chawla betonte, die Ergebnisse sollten nicht den Eindruck erwecken, Frauen müssten ihre Intelligenz herunterspielen oder ihre Persönlichkeit verändern. Stattdessen liege die Verantwortung bei den Arbeitgebern. Bemühungen um Gleichstellung am Arbeitsplatz hätten sich traditionell auf strukturelle Hindernisse konzentriert, doch Ungleichheit könne auch auftreten, wenn Kollegen weniger bereit seien, zusammenzuarbeiten, Informationen zu teilen oder Unterstützung zu leisten.

Die Forschenden empfehlen Unternehmen, den täglichen Interaktionen zwischen Beschäftigten größere Aufmerksamkeit zu widmen. Regelmäßige Gespräche könnten dabei helfen, zu erkennen, wie Arbeitnehmer ihre beruflichen Beziehungen erleben, und Muster von Vorurteilen, Ausgrenzung oder Versuchen, bestimmte Kollegen zu untergraben, sichtbar zu machen.

Für Chawla sollten Organisationen nicht nur prüfen, ob formale Verfahren fair sind, sondern auch, ob die alltägliche Arbeitsplatzkultur denselben Standards entspricht. Intelligenz anzuerkennen und Leistung zu belohnen, sei etwas anderes, als ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Beschäftigte frei entwickeln und sinnvolle Unterstützung erhalten können.

Quellen: t3n.